0,5 Sekunden Nachhallzeit im Büro

Warum RT60 über Konzentration entscheidet

Warum Büros oft anstrengend klingen – obwohl sie nicht laut sind

Viele Büros sind nicht laut im klassischen Sinn. Trotzdem empfinden wir sie als anstrengend, unruhig oder ermüdend. Der Grund liegt häufig nicht im Geräuschpegel, sondern in der Raumakustik – genauer gesagt in der Nachhallzeit.

Je mehr Menschen gemeinsam in einem Büro arbeiten, desto stärker überlagern sich Gespräche, Tastaturgeräusche oder Telefonate. Entscheidend ist dabei nicht, dass Geräusche entstehen, sondern wie lange sie im Raum hörbar bleiben.


Was ist die Nachhallzeit (RT60)?

Nachhallzeit (RT60)
Die Nachhallzeit beschreibt, wie lange ein Schallereignis im Raum hörbar bleibt, nachdem die Schallquelle verstummt ist.

Definition: Zeitspanne, in der der Schalldruckpegel um 60 dB abfällt
Einheit: Sekunden (s)
Bedeutung: Zentrale Kennzahl für die akustische Qualität eines Raumes

Je länger die Nachhallzeit, desto länger „steht“ der Schall im Raum. Sprache überlagert sich, einzelne Geräusche treten stärker hervor und Konzentration fällt schwerer.


Warum „leise“ nicht automatisch „gut“ bedeutet

Ein Büro muss nicht still sein. Ein gewisses Grundgeräusch ist normal und kann sogar hilfreich sein. Problematisch wird es dann, wenn Sprache und Geräusche zu lange nachklingen.

Lange Nachhallzeiten führen dazu, dass:

  • Gespräche ineinanderlaufen

  • die Sprachverständlichkeit sinkt

  • die mentale Belastung steigt

  • konzentriertes Arbeiten schneller ermüdet

Ein Raum kann also objektiv nicht besonders laut sein – und dennoch akustisch unangenehm wirken.


Nachhallzeit im Büro: Norm vs. Komfort

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten – Lärm (ASR A3.7) definieren für Büroräume zulässige Höchstwerte der Nachhallzeit, abhängig vom Raumtyp. Diese reichen bis zu 0,8 Sekunden.

Diese Werte legen fest, was rechtlich zulässig ist.
Sie beschreiben jedoch nicht automatisch, was sich im Arbeitsalltag gut anfühlt.


Der Komfortbereich in der Praxis

Aus akustischer Planung und Nutzererfahrung zeigt sich klar:

Eine Nachhallzeit von 0,4–0,6 Sekunden (RT60) gilt in Büros als besonders angenehm.

In diesem Bereich:

  • verbessert sich die Sprachverständlichkeit

  • sinkt die akustische Ermüdung

  • fällt konzentriertes Arbeiten leichter

Gerade in Mehrpersonenbüros, Open-Space-Bereichen und Besprechungszonen hat sich dieser Bereich als sinnvoller Zielwert etabliert.


Fazit: Nachhallzeit ist der Schlüssel zur Büroakustik

Gute Büroakustik bedeutet nicht, Geräusche zu eliminieren.
Sie bedeutet, Schall zu kontrollieren, damit er den Raum nicht dominiert.

Die Nachhallzeit (RT60) ist dabei eine der wichtigsten Kennzahlen, weil sie beschreibt, wie ein Raum tatsächlich klingt. Zwischen normativ zulässig und subjektiv angenehm liegen oft nur wenige Zehntelsekunden – für das Wohlbefinden macht dieser Unterschied jedoch einen großen Effekt.

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